Die Ks und der Kampf um den Himbeerkuchen

Es begab sich gestern, da wussten Frau K. und ich nicht sonderlich viel mit uns anzufangen, das Wetter war grau und trüb – und es war genau dieses Wetter, welches uns schließlich dazu inspirierte, eine kleine Expedition an jene Plätze von Bad Honnef zu unternehmen, wo man die verbürgte Lebensfreude aus Ottos bunter Dachmarkenwelt so richtig hautnah atmen und fühlen kann.

Die Ergebnisse müssen noch ein bisschen auf unseren Festplatten reifen und gedeihen, bevor wir sie entweder hier oder auf massenbelichtungswaffen.de zeigen werden. Aber um die soll es hier auch gar nicht gehen, sondern eher um die kuriose Geschichte, die sich bei unserer Rückkehr nach Rhöndorf ergab.

Na gut, einen kleinen Vorgeschmack zeigen wir gerne an dieser Stelle…

Unser Weg führte uns nämlich an Gilgens Bäckerei vorbei, und da kamen wir spontan auf die Idee, noch zwei Stücke Kuchen mitzunehmen.

Nun muss man wissen, dass es Sonntag nachmittag war, und Sonntag nachmittag befindet sich ganz Rhöndorf fest in der Hand von Touristen, die das Adenauerhaus nicht finden und/oder nach der Seilbahn auf den Drachenfels suchen. Und so war die Bäckerei gerammelt voll, die Auslage schon so gut wie leer, und zwei Verkäuferinnen hatten alle Hände voll zu tun, zwei ansehnliche Schlangen an Kunden zu bedienen.

Schließlich waren wir an der Reihe. Ich bestellte die letzten zwei Stücke Himbeerkuchen, zückte in Antizipation der Bezahlungsformalitäten meinen Geldbeutel und beobachtete, wie unsere Süßspeise transportfertig gemacht wurde. Eine Weile tagträumte ich also so in die Gegend, als plötzlich neben mir eine laute Stimme erklang:

“Hören Sie mal, wir stehen hier schon viel länger an, und ich möchte die zwei Stücke Himbeerkuchen haben”, schimpfte eine mies gelaunte Frau in Begleitung eines mies gelaunten Mannes unter vollkommener Ignoranz meiner Person in Richtung Verkäuferin.

Die Verkäuferin schaute mich hilfesuchend an. Es war sonnenklar, dass Mieselaunefrau eben nun mal im Vorfeld bei Verkäuferin #2 zwei Gläser Latte Macchiato bestellt hatte (welche sich gerade in der Fertigung durch Verkäuferin #2 befanden) – weswegen sie ihren Wunsch ihre Forderung eben erst nach mir vortragen konnte. Es war auch sonnenklar, dass es mies gelaunten Vernichtungskrieg geben würde, sollte ich auf meiner Wahl beharren.

Das Dilemma erkennend lächelte ich freundlich. “Ach, dann will ich selbstverständlich nicht im Weg stehen”, entgegnete ich, “wir suchen uns dann was anderes aus…”

Die Verkäuferin nickte dankbar. Ganz im Gegensatz zur Mieselaunefrau, bei der weiterhin keinerlei Anerkennung meiner Existenz oder gar Kommunikation in meine Richtung auszumachen war.

Frau K. und ich beratschlagten also, was wir stattdessen nehmen würden. Zwei Stück Kirschkurchen wären noch möglich gewesen. Oder ein Stück Kirsch- und ein Stück Apfelkuchen?

Gerade war diese Überlegung im Gange, da meldete sich Mieselaunefrau wieder zu Wort: “Ich hab’s mir anders überlegt, wir wollen ein Stück Himbeer- und ein Stück Apfelkuchen”, polterte sie an mir vorbei.

Nun war es so, dass Mieselaunefrau eigentlich zur anderen Schlange gehörte, und somit eigentlich auch zur anderen Verkäuferin, welche jetzt auch leicht verdattert dreinschaute und nicht mehr recht wusste, was sie machen sollte.

Ich setzte mein freundlichstes Lächeln auf und sagte: “Ok, wir machen es jetzt einfach so: Wir warten, was die geschätzten Herrschaften bestelllen, und dann schauen wir, was noch übrig ist, und suchen uns davon was aus.”

In diesem Moment hatte ich sichtbar die Herzen beider Verkäuferinnen gewonnen, und Mieselaunefrau durfte mich abermals mit teutonischer Wut ignorieren.

Als wir einige Minuten später den Berg zur K-Burg hinaufkletterten, konnten wir nicht anders, als uns über das gerade Erlebte zu unterhalten. Denn auch wenn die Begebenheit brüllend komisch gewesen war, so war sie doch in gewisser Weise bezeichnend für gewisse Dinge, die uns in den letzten Jahren immer wieder widerfahren waren.

Wir hatten es immer wieder mit Menschen zu tun, die sich für etwas Wichtigeres hielten. Und in den allermeisten Fällen geben wir dann nach.

Doch eben nicht immer. Hin und wieder haben selbst wir genug… und interessanterweise ist genau dies einer der hauptsächlichen Gründe, warum wir jetzt in ein eigenes Haus ziehen.

Glücklicherweise braucht es aber mehr als zwei Stücke Kuchen, um unsere Konfliktbereitschaft zu wecken. Und so konnten wir uns lachend und mit guter Laune von unseren Hunden begrüßen lassen, während Herr und Frau Himbeerkucheneinforderung auf mich nicht den Eindruck machten, als würde sich bei ihnen in Gestus und Habitus heute oder in den nächsten Tagen, Monaten oder Jahren allzu viel ändern…

Letzter kleiner Vorgeschmack für heute…

P.S.: Wir hatten dann schließlich 1x Himbeer und 1x Kirsch…