Eine frohe Botschaft

Gerade komme ich zusammen mit Buba von einem langen und ausgedehnten Silvesterspaziergang zurück, und es ist mir sehr danach, zum Ende des Jahres noch etwas Positives loszuwerden.

Es ist nämlich so, dass dieser Spaziergang in den letzten Jahren so nicht möglich gewesen wäre.

Bisher war es in unserer beschaulichen kleinen Stadt im Rheinland üblich, dass unmittelbar nach Weihnachten sofort das ganz große Ballern losging und Buba die meiste Zeit vollkommen eingeschüchtert in der hintersten Ecke unserers Schafzimmers unter meinem Bett an die Wand gepresst verbrachte.

Anja Rützel hat neulich auf Spiegel Online einen Artikel darüber geschrieben, wie sich die Knallerei an Silvester für einen Hundebesitzer anfühlt.

Beim Betrachten der Kommentare zu besagtem Artikel (Achtung: Wenn ihr nicht einen gehörige Portion Menschenhass ins neue Jahr tragen wollt, tut euch das nicht an), kam in mir ein paarmal die Sehnsucht hoch, die Menschheit möge besser heute als morgen aussterben. Was da mal wieder an Hass und vollständigem Fehlen jeglicher Empathie in die Welt hinaus defäkiert wird, ist für empfindsame Menschen schier unerträglich.

Auf Twitter (welches Facebook inzwischen den Rang als bevorzugte Pinkelrinne des gemeinen deutschen Wutbürgers abgelaufen hat; deshalb gibt’s hier auch keine Links mehr dorthin) ist die Situation ähnlich, wenn über Hunde und Silvester geschrieben wird: Sofort sind diverse Kotzmenschen am Start und verteidigen ihre “Freiheit” vehement und mit schlagkräftigen Argumenten (“zieht doch aufs Land mit eurem Köter”, “ihr macht schließlich auch nie den Hundedreck weg”, etc. pp.) gegen die neue Verbots-Kultur der Gutmenschen-Ökodiktatur.

Ja, es kommt einem immer wieder das kalte Grausen, wenn man dieses Internet betrachtet. Und doch: Ich konnte heute mit Buba einen ganz ruhigen, gemütlichen und durch und durch entspannenden Spaziergang machen.

Und das war am 31.12. bisher noch nie so.

Für das Titelbild dieses Artikels verbrachten Buba und ich garantiert zehn Minuten auf jenem Weinberg, von welchem aus man diesen beachtlichen Panoramablick auf Rhöndorf, die K-Burg (na, wer entdeckt unser Noch-Zuhause?) und den Rhein hat. In den Jahren vorher wäre das nicht möglich gewesen. Irgendjemand hätte einen Böller in die Luft gejagt und Buba hätte mich mit eingeklemmtem Schwanz hinter sich hergezogen und panisch ein sicheres Plätzchen gesucht.

Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein, und natürlich haben auch dieses Jahr wieder gleich nach Weihnachten die ersten Trollos mit einer Ladung Starenschreck lautstark ihre soziale Impotenz oder ihr fehlendes Hirn oder beides demonstriert, aber Tatsache ist: Es ist spürbar und messbar weniger geworden.

Unter unseren Freunden und Bekannten findet sich niemand, der Knallen an Silvester als essentiell für seine individuelle Glücksfindung betrachtet. Viele davon davon knallen überhaupt nicht, und schon gar niemand davon würde auf die Idee kommen, vor oder nach Silvester seine Mitlebewesen in Leid und Panik zu stürzen.

Und wenn man sich die Ergebnisse der Umfrage unter oben erwähntem Artikel anschaut, dann stellt man auch fest, dass 68% der Befragten die alljährliche Knallerei für unnötig, schmutzig und gefährlich halten.

Der Spaziergang heute war sehr schön. Seit wir Buba haben war es nicht mehr so entspannt an Silvester, und das tut uns allen sehr gut. Natürlich wird es heute nacht wieder schlimm werden, aber um so wichtiger ist es, vorher einen entspannten und schönen Tag gehabt zu haben.

Mir persönlich macht das Hoffnung, denn es zeigt mir, dass die Menschheit vielleicht doch nicht so kaputt ist, wie man beim Betrachten diverser sozialen Netzwerke und Kommentarspalten denken könnte. Vermutlich liegt es einfach in der Natur der Sache, dass die Kotzmenschen lauter sind als die Stimmen der Vernunft und des Miteinanders.

Deshalb an dieser Stelle: Danke, von ganzem Herzen, an alle, die sich dieses Jahr dazu entschlossen haben, nicht zu knallen. Und danke an alle, die mitfühlen und mit dazu beitragen, dass diese Welt eben doch nicht so kalt ist, wie es uns eine Minderheit glauben machen möchte.

Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr, und ein frohes 2020!