Der Weg ist das Ziel (oder: Sommerspaß-Vertretung Nr. 3)

Eigentlich verfolgte ich heute morgen den Plan, mit der Buba einen kurzen Morgenspaziergang zur Schaafhausen-Kanzel zu unternehmen und dort ein schönes Lanthar-Bildchen vom Rheintal zu machen.

Da hatte ich allerdings die Rechnung ohne die Buba gemacht. Buba hat nämlich ein paar Eigenheiten, die, so vermuten wir, noch aus ihrem früheren Leben als Straßenhund stammen. Beispielsweise das Wetter und die Wichtigkeit, sich in Sicherheit zu bringen. Wenn Buba irgendeinen Anlass hat, zu glauben, dass demnächst das ganz ganz große Unwetter bevorsteht, dann stellt sie sich plötzlich und unvermittelt starr hin und bewegt sich keinen Fall mehr vorwärts.

Das sieht dann ungefähr so aus:

"Was? Weitergehen? Du spinnst ja wohl! Wir müssen uns ein Loch graben, und Unterschlupf suchen! Und uns eine Notration an Mäusen zulegen! Aber auf keinen Fall gehe ich weiter!"

“Was? Weitergehen? Du spinnst ja wohl! Wir müssen uns ein Loch graben, und Unterschlupf suchen! Und uns eine Notration an Mäusen zulegen! Aber auf keinen Fall gehe ich weiter!”

Da ich aber nicht Lust hatte, nur knappe 50 Meter hinter dem Haus schon wieder umzukehren, beschloss ich, ebenfalls auf stur zu schalten. Ich packte also die Kamera aus, machte ein paar Bilder, unter anderem vom widerspenstigen Hund… und oh Wunder, nach ein paar Minuten zeigte die Behandlung Wirkung:

"Ok, Du hast gewonnen, gehen wir halt weiter. Aber  nimm zur Kenntnis, dass ich nicht begeistert bin, und dass ich keine von meinen Mäusen mit Dir teilen werde."

“Ok, Du hast gewonnen, gehen wir halt weiter. Aber nimm zur Kenntnis, dass ich nicht begeistert bin, und dass ich keine von meinen Mäusen mit Dir teilen werde.”

Zunächst sah es auch so aus, als könne Buba recht behalten. Die Sonne verabschiedete sich, und vereinzelte Regentröpfchen machten uns gar nicht so sehr nass aber der Hündin passte es trotzdem nicht.

Weiter oben auf dem Berg, ungefähr 200 Meter weiter, befindet sich ein Tannenwald, den ich eigentlich so gut wie immer fotografieren muss, weil ich ihn so schön finde. Ich hab sicher schon hundert Fotos von diesem Ort, aber das hinderte mich nicht, heute das 101. Foto zu machen…:

Wer hat Dich, Du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?

Wer hat Dich, Du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?

Wir liefen weiter. Und hätte mich Buba nicht so ewig aufgehalten, so wäre mir der Anblick (und das Titelbild dieses Artikels), der sich hinter zwei weiteren Kurven und noch ein bisschen weiter oben im Wald darbot, verwehrt geblieben.

Die Nebelschwaden zogen genau zum richtigen Zeitpunkt über den Weg, und die Sonne brach genau zum richtigen Zeitpunkt durch die Wolken, und Buba blieb genau zum richtigen Zeitpunkt bei Fuß, so dass ich nur noch am Fokusring drehen und auf den Auslöser drücken musste. Und das Color-Lanthar von anno dazumal ließ mich auch heute nicht im Stich:

Exakt richtiges Timing

Exakt richtiges Timing

Das Erstaunliche daran: Nur 30 Sekunden vorher hatte die Szene nicht so ausgesehen (weswegen es auch kein Foto davon gibt). Und nur 30 Sekunden später war es auch schon wieder vorbei, wie dieses Beweisbild zeigt:

Kein Blumentopf. Aber dafür eine ins Bild laufende Hündin :)

Kein Blumentopf. Aber dafür eine ins Bild laufende Hündin 🙂

Naja, was soll ich sagen. Nach einer ansonsten ereignislosen Reise erreichten wir schließlich eine halbe Stunde später die Schaafhausen-Kanzel… die eigentlich ein fotografisch sehr lohnendes Ziel ist, nur heute irgendwie nicht so sehr. Aber dafür hatte die Buba dort eine Menge Spaß, und vielleicht bilde ich es mir ein, aber irgendwie habe ich das Gefühl sie war zufrieden, dass wir weitergegangen und nicht 50 Meter hinter dem Haus schon wieder umgekehrt sind… 🙂

Morgen früh werde ich mit Buba dann die letzte Vertretungstour unternehmen, von da an übernimmt wieder Frau K, die wir hier alle sehnsüchtig vermissen. Und das von Buba befürchtete Unwetter, das bricht tatsächlich gerade über die K-Burg herein 🙂