“Lebensfreude verbürgt”: Sechs Tage Folter

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Sechs Tage lang war es jetzt so in Rhöndorf:

Jeden Tag.

Von morgens 7:45h bis 11:30h, und dann von 13:00h bis 17:00h.

Am Wochenende zwei Tage Pause, und dann weiter. Keine Rast und kein Erbarmen.

Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Schepper Schepper. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Peng! Schepper Schepper. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep.

(Was wir hier hören, ist die Baustelle in der Konrad-Adenauer-Straße, wo momentan der “Rosengarten” entsteht. Das Geräusch stammt von einem gigantischen Bohrer, der immer dann piept, wenn er bewegt wird. Er bewegte sich fortwährend.)

  • Am ersten Tag denke ich noch, das wird schon vorbei gehen. Nach sechs Stunden bin ich nervös und ausgelaugt und hoffe inständig, dass der Spuk bald vorbei ist.
  • Am zweiten Tag geht es ungebremst weiter. Ich werde unruhig und gereizt, kann mich nicht mehr richtig konzentrieren. Nach drei Stunden Folter rufe ich das Ordnungsamt an. Sie würden jemand vorbei schicken und sich melden, lautet die Antwort. Den Rest des Tages meldet sich niemand, derweil geht es den ganzen Tag so weiter.
  • Am dritten Tag ist meine Laune vollkommen im Keller, meine Konzentration auch. Ich werde aggressiv, warte nur darauf, einen Grund zu bekommen, mich mit jemandem zu streiten oder irgendetwas zu zerschmettern. Anruf beim Ordnungsamt: Besetztzeichen, eine Stunde lang. Ich halte die Kamera aus dem Fenster und drehe spontan ein Beweisvideo, schicke es per Mail ans Ordnungsamt. Stunden später bekomme ich eine vertröstende Mail, man stünde mit der “Bauleitung in Kontakt”. Es piept auch den Rest des Tages… bis 15h. Dann plötzlich Stille. Ich denke schon, es hätte jemand endlich etwas unternommen, schreibe eine Entwarnungs-Mail an das Ordnungsamt, weil ich ja ein freundlicher und umsichtiger Mensch bin. Kaum habe ich die Mail abgeschickt, geht die Piep-Hölle wieder los. Bis 17h.
  • Am vierten Tag kann ich meiner Arbeit nicht mehr nachgehen und werde krank. Rückfrage beim Ordnungsamt: Besetztzeichen. Ich rufe die Polizei an. Man werde sich darum kümmern, wird mir gesagt. Ein Mountainbiker, der bei uns die Steintreppe runterfährt, bekommt meine gesammelte schlechte Laune ab.
    Ich habe noch nie etwas gesagt bei Mountainbikern. Tausende von denen durften die letzten Jahre verbotenerweise den viel zu schmalen Weg und die Treppe kaputt machen ohne dass ich mich rührte (oder, wo wir schon dabei sind, das Ordnungsamt trotz Anfragen der Anwohner jemals was dagegen unternahm).
    Aber diesem Exemplar hier brülle ich noch minutenlang hinterher, nachdem er fluchtartig das Weite sucht. Danach geht es mir noch beschissener.
  • Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Schepper. Schepper. Piep. Piep. Schepper. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Schepper. Piep.
  • Wochenende. Ich liege krank und vollkommen fertig mit meinen Nerven im Bett. Ich höre das Piepen, obwohl es das Wochenende über gar nicht da ist.
  • Am fünften Tag (Montag) geht es unerbittlich weiter. Ich habe das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Ich rufe nochmal die Polizei an. Dieses Mal habe ich die Hilfsbereitschaft in Person am Hörer, die mich in strengem Ton darüber aufklärt, da könne sie nichts machen, und wenn das Ordnungsamt nichts tue, dann “war’s das halt” (Zitat). Ich könne allenfalls noch dem Bürgermeister schreiben. Also schreibe ich dem Bürgermeister. Immerhin, der schreibt sofort zurück, er würde sich darum kümmern.
  • Am sechsten Tag bekomme ich eine Nachricht von der Bauleitung weitergeleitet, die da lautet:

Nach Rücksprache mit dem Bauleiter sind die Bohrarbeiten heute bzw. Morgen (sic) beendet. Morgen, am 18.07  wird die Maschine Abgeholt (sic).

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Vielleicht dieses hier:  Mir wurde in den letzten sechs Tagen sehr deutlich das Gefühl vermittelt, dass die Behörden in Bad Honnef auf mich scheißen.

Und ich habe immer weniger Lust, in Rhöndorf meine Steuern zu zahlen. Ein ruhiges Plätzchen ist das hier schon lang nicht mehr. Aber dann auch noch diese Art von Hilfe zu bekommen… da kann mensch schon nachdenklich werden.

 

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3 Comments

  1. ich kann das gut nachvollziehen – ich bin auch sensibel was lärm angeht (nicht nur wenn ich migräne habe) – und stelle fest, es wird immer lauter in der umgebung…

    ich hoffe dir gehts inzwischen besser.
    ps – die erste seite ist verhört. meinungsbildung im gange!

  2. MartinD

    Unfassbar. Gab es denn wenigstens eine Entschuldigung von offizieller Seite?

  3. @derbaum: Vielen Dank!
    @MartinD: Wo denkst Du hin?!

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