Mountainbiker im Siebengebirge, und wie man sie umgeht

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Wer als Fußgänger im Siebengebirge unterwegs ist, der trifft schnell auch Mountainbiker an.

Nun ist dieser prinzipiell sicher irgendwo schöne und sinnvolle Sport für den naturliebenden Spaziergänger (oder, wie in unserem Fall, für den Menschen, der hier lebt, und die Wege benutzt, um zur Arbeit zu kommen) leider mit zahlreichen Nachteilen verbunden. Wie zum Beispiel:

  • plötzliches-vom-Weg-springen-müssen
  • in Panik flüchtende Waldtiere
  • in Panik durchdrehende Hunde
  • vollkommen aufgeweichte und kaputte Wege
  • nervenaufreibendes und zeitaufwändiges Erste-Hilfe-Leisten
  • lautes Gejohle und Gebrülle, wie man jetzt am besten den Berg runterfährt (z.B.: “DU MUSST DA LINKS! MITTEN DURCH DAS BLUMENBEET VON DEN ARMEN VOLLIDIOTEN DIE HIER WOHNEN!! JA, GENAU SO, SUPER, DU BIST VOLL DER MANN, GEIL!!!“)
  • lange Wartezeiten, bis Notarzt und Krankenwagen wieder den Weg frei gemacht haben

Mountainbiker im Siebengebirge (Symbolbild)

Da wir diese Missstände nun schon seit mehreren Jahren beobachten und im Laufe dieser Zeit mehr als einmal direkt vor unserer Haustür sowohl erste Hilfe leisten als auch dumme Sprüche erdulden mussten, war uns an einer Verbesserung der Situation immer sehr gelegen.

Heute nun machten wir eine Entdeckung, die das Potential dazu hat, die Situation ein für alle Mal für alle Beteiligten zufriedenstellend zu lösen.

Und zwar gibt es überall im Siebengebirge Symbole, welche regeln, wer welchen Weg lang gehen bzw. fahren darf. Unsere Freunde vom General-Anzeiger Bonn haben das auch schon richtig erkannt, und berichten in einer wahren Sternstunde investigativen Enthüllungsjournalismus in diesem Artikel u.a. das Folgende:

Grundsätzlich gilt, wie der Rhein-Sieg-Kreis als Untere Naturschutzbehörde klarstellt, im Siebengebirge: Besucher dürfen nur entsprechend gekennzeichnete Wege begehen oder befahren. […] Die Markierungen legen zudem die erlaubte Nutzung der Wege fest: Ein rotes Dreieck kennzeichnet den Wanderweg, ein gelbes erlaubt Radfahrer, blaue Dreiecke markieren Reitwege.

Natürlich ist das alles Wunschdenken und funktioniert nicht.

Zumindest nicht so, wie der General-Anzeiger das beschreibt.

Aber heute ist uns zum ersten Mal aufgefallen, es funktioniert ganz genau andersherum. Und daraus ergeben sich ganz einfach folgende zwei goldene Regeln:

Auf Wegen mit diesen Symbolen, also gelben und roten Dreiecken, wird Ihnen garantiert niemals ein Mountainbiker begegnen. Sie können diese Wege also ganz beruhigt ohne Angst um Leib und Leben benutzen, die Ruhe genießen, und mit ein bißchen Glück sehen Sie auch mal ein Reh oder eine Rotte Wildschweine.

Vorsicht geboten hingegen ist auf Wegen, die folgendermaßen gekennzeichnet sind:

(um das hier nochmal ganz klar zu machen: Gemeint ist das alleinige Auftauchen des roten Dreiecks, das ‘offiziell’ ausschließlich Fußgängern die Benutzung dieses Weges erlaubt)

Auf diesen Wegen besteht eine nahezu hundertprozentige Sicherheit, dass Ihnen Mountainbiker begegnen. Da diese Wege sehr schmal sind und in engen Windungen mitten durch ehemals unberührte und eigentlich schützenswerte Natur führen, kann dies auch sehr plötzlich passieren. Sollten Sie den Fehler machen, einen Weg mit rotem Dreieck zu begehen, seien Sie auf der Hut, es kann Sie jederzeit und aus jeder Richtung treffen. Rechnen Sie auch jederzeit mit panisch flüchtenden Rehen, Wildschweinen, und aus Angst von der Leine losgerissenen Hunden… und rechnen Sie damit, ausgelacht und beschimpft zu werden, wenn Sie sich beklagen.

Aus alledem ergibt sich eine einfache Lösung des Problems: Die zuständigen Stellen (beispielsweise der Verschönerungsverein Siebengebirge) müssen einfach nur dafür Sorge tragen, dass mehr und mehr Wege ganz offiziell für Mountainbiker freigegeben werden. Wenn das einmal funktioniert, könnte man sich in einem zweiten Schritt daran machen, große und ungefährliche Wege für Mountainbiker ganz offiziell (und am besten unter Strafandrohung) zu sperren.

Wir sind sicher dass die Wege im Siebengebirge dann wieder in einem sicheren, harmonischen und toleranten Miteinander benutzt werden können.

In diesem Sinne, frohe Ostern.

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6 Comments

  1. Igor P. Thom

    Ich hoffe, dass dieser Beitrag inhaltlich dem Datum 1. April gerecht wird?! Das klingt sehr danach…
    Wie so oft ist es eine absolute Minderheit (auf beiden Seiten!), die dazu führt, dass sich die Fronten vielfach verhärten. Ich fahre schon sehr lange Mountainbike im 7-Gebirge. Und ja, ich halte mich tatsächlich nicht immer an die Wegeregeln. Was aber noch NIE dazu geführt hat, dass ich in irgendeiner der beschriebenen Weise in Konflikt mit Fußgängern gekommen wäre. Deutlich wahrnehmbares Langsamfahren, Platz machen, freundlich grüßen und auch für das Platzmachen bedanken – die Gegenreaktionen war bisher immer positiv. Bis hin zu einem freundlichen Gespräch. Und es waren Spaziergänger dabei, die sich für den freilaufenden Hund entschuldigt haben, was meinerseits mit entsprechend positiver Reaktion beantwortet wurde. So kann es funktionieren, ohne das auf Paragraphen herumgeritten wird. Und mal ehrlich, die absolute Mehrheit der Radler macht nichts kaputt und stört keine Wildtiere. Ich kann regelmäßig Wildschweine und Rehe entspannt beobachten…

  2. M Ruhrblick

    Ihr Beitrag hat mich auf Prächtigste angeregt und erhält meine sofortige und ungeteilte Zustimmung. Ich muss zugeben, ich war bis zur letzten Pointe im Lese-Flow, ein Erlebnis, was mir beim Durchstöbern von Blogs reichlich selten beschert ist. Dafür lieben Dank!

    Liebend gern würde ich auf das Befahren der breiten Wege im 7gebirge mit meinem schwerst geländegängigen Mountainbike verzichten, wenn mir dafür das Berollen schmalster und gefährlichster Singletrails erlaubt würde. Erste Hilfe bin ich imstande und bereit zu leisten. Auch mir selbst.

    Allerdings muß ich doch zugeben, daß das Durchfahren von Blumenbeeten mit Mountainbikes ein echter Skandal ist! Vielleicht kann man da was über einen Verschönerungsverein “Blumenbeet” mit genauer Kartierung zulässiger Weg-/Pflanz-/Schutzzonen in den gefährdeten Gebieten machen?

    Mit freundlichem Gruß, M. Ruhrblick

  3. @Igor P. Thom:

    Glaub mir, ich habe absolut nichts gegen Mountainbiker, ich habe auch schon sehr viele getroffen, die freundlich und rücksichtsvoll waren. Leider sind es immer die wenigen Negativbeispiele die auffallen – und als wir letzte Woche erst Sonnenblumen auf unserer Wiese vor dem Haus ausstreuten und prompt 4 wildgewordene Mountainbiker eben diese Wiese als Beschleunigungsrampe benutzten und als Erklärung nur “das macht Spaß” hervorzubringen hatten, war mein Vorrat an Nachsicht und Toleranz erstmal aufgebraucht, und nach Aprilscherzen war mir auch nicht zu Mute. Das muss einfach nicht sein.

    Du bist gerne dazu eingeladen, mal zwei sonnige Stunden am Nachmittag auf unserer Terrasse zu verbringen, und selbst Augenzeuge zu werden, wie hier regelmäßig Menschen rücksichtslos sich und andere in Gefahr bringen. Auf Wegen, die nicht mal breit genug sind, dass ein erwachsener Mensch die Arme ausstrecken kann, und die aus keiner Richtung vernünftig einsehbar sind. Wie sich der von sehr vielen Menschen benutzte Weg nach unten immer und immer wieder in eine einzige Matsch-Rutschbahn verwandelt, weil die Mountainbiker es nicht checken, dass sie durch Benutzung unserer Wiese als “Umweg” den Boden abtragen, der dann vom Regen ins Dorf gespült wird.

  4. @ M. Ruhrblick:

    Wie schon gesagt… es sind immer die wenigen Negativbeispiele, die am übelsten auffallen… leider ist das in allen Bereichen des Lebens so…

  5. M Ruhrblick

    ja das ist wohl so, leider… und ich kann versichern, dass Blumenbeete ausdrücklich nicht zu den von mir frequentierten Strecken mit dem Mtb gehören…leider das 7gebirge aus den bekannten Gründen mittlerweile auch nicht mehr

  6. Igor P. Thom

    @Herr K.
    Danke für die Einladung, ich glaube Dir ohne es gesehen zu haben. Ich denke auch, dass ich jetzt ungefähr weiß, wo das ist. Diese Strecke fahre ich nicht, obwohl – wie ich geschrieben habe – ich mich zugegeben auch nicht immer an die Wegeregel halte. Aber ich halte es ansonsten mit dem §1 der gegenseitigen Rücksichtnahme! Es ist dann leider wie so oft, dass einige wenige es schaffen, eine ganze Interessensgruppe in Verruf zu bringen. Schade… es könnte so einfach sein. Es gibt im 7Gebirge so viele schöne Strecken, da muss ich nicht den Anwohnern das Leben madig machen und Blumenrabatten und Wiesen kaputt fahren.

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