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Frau K. & Herr K. bloggen

Wie wir sind

Frau K. und ich haben eine gemeinsame Bekannte, die wir im folgenden der Anonymität willen einfach mal X nennen wollen.

Noch vor ein paar Jahren sahen wir X aus Gründen ziemlich oft, inzwischen hat das merklich nachgelassen. Aber man trifft sich dennoch immer mal wieder und hält sich gegenseitig auf dem Laufenden.

Eins der bemerkenswertesten Dinge an unserer Freundschaft mit X ist, dass sie von zeitweise fundamental unterschiedlichen Weltanschauungen geprägt ist.

Was für uns vollkommen ok ist.

Es muss nicht jeder so leben wie wir, und es muss auch nicht jeder die gleiche Ansicht haben. Ok, gewisse Dinge sind nicht verhandelbar (afd, pegida & Konsorten gehen halt nun mal nicht), aber ansonsten können wir durchaus damit umgehen, wenn jemand ganz andere Vorstellungen vom Leben hat. Und das hat X.

Damit sich der geneigte Leser etwas darunter vorstellen kann – ein schönes Beispiel ist Köln. X findet Köln ganz großartig und kann sich keinen schöneren Platz auf dieser Erde vorstellen; ich hingegen bekomme wahlweise Depressionen, Agressionen und/oder Fluchtreflexe wenn ich Köln auch nur von weitem sehe.

Und so haben wir in vielen Dingen eine unterschiedliche Meinung. Castingshows, Fernsehen, Ästhetik, Geld, Beziehungen, Arbeit, Familie gründen… aber egal. Jeder so wie er will. Im Endeffekt ist das ja alles nicht wirklich wichtig.

Eines Tages im Frühjahr war X nach einer längeren Pause wieder einmal bei uns zu Besuch. In ihrem Leben hatte sich in der Zwischenzeit sehr viel getan (und in unseren natürlich auch), und so saßen wir eines Nachmittags auf der K-Terrasse und redeten darüber. Über das Leben nämlich.

Und irgendwann, nachdem wir dies lange genug getan hatten, sagte sie ganz enthusiastisch und bestimmt:

“Ich hab viel nachgedacht… und, ich verstehe jetzt, wie ihr seid”.

Das fanden wir dann aber doch ein bisschen seltsam.

“Wie wir sind? Was meinst Du?” wollte ich unverfänglich wissen.

“Naja, wie ihr halt drauf seid. Wie ihr lebt. Ich verstehe das jetzt”, kam als Antwort.

Tja, ähem, schön.

Ich beschloss dann, das Thema nicht weiter zu vertiefen. Aber irgendwie verfolgte uns diese Aussage den Rest vom Jahr über, und wir wärmten sie immer mal wieder auf, denn sie hat eine ganz andere, allumfassende Qualität, als die einzelnen Differenzen, die zwischen uns stehen.

“Ich verstehe jetzt wie ihr seid”, das klingt irgendwie, als könnte man uns zusammenkürzen und als Formel auf ein Blatt Papier schreiben.

Beziehungsweise, als wären wir so seltsam, dass es eine Herausforderung ist, damit klar zu kommen. Als wären wir hier oben auf unserer Burg ein Panoptikum an Schrägheit, das man erstmal erfassen muss und von dem man dann, wenn man Glück hat, ganz triumphierend verkünden kann, dass man es begriffen hat.

Eine zeitlang fanden wir das einfach extrem witzig.

Dass da allen Ernstes jemand behauptet, er hätte durchblickt, wie wir ticken, und in welche Schublade man uns reinstopfen kann.

Dabei wissen wir das noch nicht mal selbst. Wir haben keine Ahnung, wie wir sind, oder wie wir drauf sind, oder wie wir leben. Es ist alles irgendwie so geworden wie es ist, aber wir haben keinen Schatten von Plan.

Kapieren wie wir sind, wie soll das bitte schön gehen?

Aber jetzt, wo sich das Jahr zum Ende neigt, werde ich nachdenklich und frage mich, ob so eine Schublade nicht doch ganz nett wäre.

Denn inzwischen, mit allen Entscheidungen, welche die letzten Monate hinter uns liegen… und allen, die noch vor uns liegen, würde ich es mir manchmal wünschen, zu wissen, wie wir sind. Etwas, woran man sich orientieren kann.

Vielleicht sollte ich doch noch mal nachhaken… wäre ja cool, wenn da jemand tatsächlich herausgefunden hätte, wie ich bin. Dann müsste ich, wenn ich es mal wieder nicht wüsste, mich nur mal kurz erkundigen wie ich bin.

Das hätte nur Vorteile.

p.s.: Die Bilder entstanden alle auf einem Hundespaziergang zur Löwenburg, ebenso wie die Gedanken, die ich hiermit niedergeschrieben habe.

p.p.s.: Ja, ich weiss, ich muss meinen Sensor mal wieder sauber machen

p.p.p.s: Stimmt gar nicht, Frau K. muss ihren Sensor mal wieder sauber machen, ich hab die Kamera von ihr geklaut…


(Frau K. ergänzt):

p.p.p.p.s: Herr K. könnte so nett sein und meinen Sensor sauber machen 🙂

p.p.p.p.p.s: Natürlich ist es illusorisch zu denken, man gehöre nicht in eine Schublade und sei total frei und individuell, das klingt für mich sehr verlockend. Und von daher möchte ich nicht wissen, wie die Schublade aussieht und wer da noch alles rumhängt. Für mich ist diese Schublade ganz einfach: es ist die K-Lade.

Das einzige was ich in den letzten Jahren wirklich begriffen habe ist, dass mein Pragmatismus mir sehr gut hilft zu reagieren auf die Dinge, die passieren; etwas aktiv zu ändern oder in eine Bahn zu lenken die mir gefällt ist deutlich schwerer. Aber lohnenswert.

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